UNSERE SAMMLUNG – OBJEKTE MIT GESCHICHTE(N)


Raumaufnahmen in der Ausstellung "Jüdisch Leben"

Im Zentrum des Jüdischen Museums Franken steht seine Sammlung – sie ist Herzstück und Inspirationsquelle für Ausstellungen und Veranstaltungen. Mit großer Sorgfalt sammelt, bewahrt und erschließt das Museum jüdisch-fränkische Kulturzeugnisse, um dieses wertvolle Erbe für die Gesellschaft und kommende Generationen lebendig zu halten.

Durch kontinuierliche Forschung und Dokumentation macht das JMF die kulturellen und materiellen Spuren jüdischen Lebens in Franken sichtbar. Die Sammlung wächst dabei stetig weiter – auch durch bedeutende Leihgaben und persönliche Schenkungen von Nachfahren fränkisch-jüdischer Familien.

Geschirr aus Porzellan aus der Sammlung Nathan-Meyers des Jüdischen Museums Franken in Fürth.

Sie umfasst ein breites Spektrum an Objekten aus Religion und Alltag: von Judaika über Kleidung und Alltagsgegenstände bis hin zu Bildmaterial, Handschriften, persönlichen Zeugnissen und historischen Drucken.

Ein besonderer Fokus liegt auf den traditionsreichen Zentren Fürth, Schnaittach und Schwabach sowie ihren historischen Rabbinatsbezirken – und damit auf einer reichen Kulturgeschichte von den Anfängen bis in die Gegenwart.

BIBLIOTHEK UND ARCHIV


©Gerhard Hagen_Neubau_Bibliothek

Die Krautheimer Studienbibliothek im Erweiterungsbau in Fürth ist ein zentraler Ort des Wissens und der Forschung: Rund 12.000 Medien bieten ein facettenreiches Spektrum zur jüdisch-fränkischen Geschichte und Kultur – von grundlegenden Werken über aktuelle Forschungsliteratur bis hin zu Zeitschriften und digitalen Angeboten. Als Präsenzbibliothek lädt sie zum vertieften Arbeiten und Entdecken ein.

Bitte beachten Sie: Aufgrund von Umbauarbeiten ist die Bibliothek derzeit bis auf Weiteres geschlossen.

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SCHENKUNGEN


Eine Tora Krone aus der Sammlung des Jüdischen Museums Franken in Fürth.

Ob Judaika, hebräische Drucke, Fotografien oder Alltagsgegenstände – jedes Objekt erzählt Geschichte. Das Jüdische Museum Franken erweitert seine Sammlung kontinuierlich und freut sich über Ihre Unterstützung. Jeder einzelne Gegenstand trägt dazu bei, das Leben und den Alltag im jüdischen Franken noch klarer und lebendiger sichtbar zu machen.

Hier finden Sie alle wichtigen Informationen zu Schenkungen.

LEIHGESUCHE & BILDANFRAGEN


Das Jüdische Museum Franken stellt ausgewählte Objekte aus seiner Sammlung als Leihgaben für Wechselausstellungen und Dauerausstellungen zur Verfügung. Gerne prüfen wir Ihre Anfrage. Bitte beachten Sie eine Vorlaufzeit von mindestens acht Monaten – kurzfristige Anfragen können leider nicht berücksichtigt werden.

Unsere Fotografiensammlung bewahrt visuelle Zeugnisse fränkischer Geschichte und Kultur. Für Publikationen und Filmprojekte stellen wir Ihnen ausgewähltes Bildmaterial zur Verfügung. Kontaktieren Sie uns gerne über diesen Link – bitte mit einer Vorlaufzeit von mindestens vier Monaten, da kurzfristige Anfragen nicht umsetzbar sind.

SAMMLERSTÜCKE


EINE KLEINE FÜRTHER ODYSSEE

Dieses versilberte Kerzenständerpaar hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Als es dem Jüdischen Museum Franken als Schenkung angeboten wurde, war schnell klar: Die Stücke gehören ursprünglich zum Nathanstift. Eine Gravur verrät ihre Herkunft: „Gestiftet von Marie Königsberger, Rosy und Sofie Nathan, Fürth, 28. Nov. 1909“ – dem Tag der Eröffnung der Fürther Geburtsklinik „Nathanstift“.

Gestiftet wurde das Haus vom Fürther Rechtsanwalt und Philanthropen Alfred Louis Nathan, der es zum Gedenken an seine Eltern errichten ließ. Als Mitglied einer bedeutenden Fürther Bankiersfamilie schuf er mit dem Nathanstift eine der wichtigsten sozialen Einrichtungen der Stadt – ausgestattet nach modernsten medizinischen Standards seiner Zeit. Zur Eröffnung schenkten die Ehefrauen seiner Cousins dieses elegante Kerzenständerpaar.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde der jüdische Stiftername getilgt. Erst nach 1945 erhielt das Nathanstift seinen ursprünglichen Namen zurück. 1967 zog die Einrichtung in das Klinikum Fürth um und ging dort in der geburtshilflichen Abteilung auf.

In den 1980er Jahren entgingen die Kerzenständer nur knapp der Entsorgung: Bei Umbauarbeiten wurden sie aussortiert und bereits für den Sperrmüll vorgesehen. Eine aufmerksame Person rettete sie im letzten Moment. Bis 2021 befanden sie sich in Privatbesitz.

Da die Nathanstiftung bis heute besteht, konnten die Kerzenständer schließlich ihrem rechtmäßigen Eigentümer zurückgegeben werden – und sind nun als Dauerleihgabe im Jüdischen Museum Franken zu sehen.

Zwischen 1909 und 1967 erblickten rund 20.000 Kinder im Nathanstift das Licht der Welt. Einer von ihnen ist der Fürther Oberbürgermeister Thomas Jung – ein echter „Nathanier.


Foto von dem verschollenen Portrait von Thea Irene Nathan-Midas

WO STECKT DIE KLEINE DAME?

Ein Highlight der Dauerausstellung ist die Skizze „Die kleine Dame“, eine Studie zu einem seit 1938 verschollenen Porträt von Thea Irene Nathan. Die Bankierseheleute Rosy und Max Nathan hatten 1907 den bekannten Münchner Porträtmaler Hermann Kaulbach beauftragt, ihr langersehntes einziges Kind in eigens dafür in Paris gekaufter Kleidung zu malen. Kaulbach war von der „kleinen Dame“ Thea Irene so beeindruckt, dass er ihr zum Andenken ein von ihm herausgegebenes Kinderbuch mit einer persönlichen Widmung auf dem Vorsatzblatt schenkte.

Das Porträt befand sich im Auswanderungsgepäck von Thea Irenes Schwiegereltern Emmy und Josef Midas als diese 1939 über England in die USA emigrierten. Die Umzugscontainer kamen allerdings nie an. Nach dem 2. Weltkrieg erzählte ein ehemaliges Dienstmädchen der Familie, das Gepäck sei bei einem Bombenangriff in Bremerhaven zerstört worden. Tatsächlich jedoch beschlagnahmte die Gestapo sie im Hamburger Hafen. Bei einer Versteigerung im April 1941 erwarb das Auktionshaus Carl F. Schlueter die Container. Im Versteigerungsprotokoll ist das Porträt allerdings nicht namentlich aufgeführt.

Was mit den Besitztümern der Familie Midas inklusive des Porträts „Die kleine Dame“ im Weiteren geschah, konnte bis heute nicht geklärt werden. Nahezu 40 Jahre nach seinem Verschwinden, im September 1976, tauchte das Porträt in der 170. Auktion des Auktionshauses Neumeister (vormals Münchener Kunstversteigerungshaus A. Weinmüller) für ein Mindestgebot von 3.000 DM auf.

Die Beschreibung im Auktionskatalog lautet: „Die kleine Dame. Blondgelocktes Mädchen mit Spitzenhaube, im Haar ein Blumensträußchen, in Musselinkleid auf einem Stuhl sitzend. Brustbild nach links, Kopf en face. Links oben signiert. Öl auf Leinwand. 51,5 x 41,5 cm.“ Anschließend hat sich die Spur bis heute leider wieder verloren.

Die Einstellung des Gemäldes in die Lost Art Internet Database durch das Jüdische Museum Franken für die rechtmäßigen Eigentümer brachte keine neuen Erkenntnisse. Auch das Münchner Auktionshaus Neumeister gab im Zuge einer Recherche des Jüdischen Museums Franken vor einigen Jahren keine Auskünfte über den/die Besitzer, die es zur Auktion einlieferten, noch zu den Käufern des Jahres 1976.

FORSCHUNG


Das Jüdische Museum Franken erforscht mit vielen Kooperationspartner*innen fränkisch jüdische Geschichte und Kultur.