AUSSTELLUNG

DER GARTEN DES (NICHT) VERGESSENS

Über den Fürther Wissenschaftler Dr. Alfred Heilbron und den Botanischen Garten in Istanbul


Es ist ein besonderes Samenkorn, das das Jüdische Museum Franken in Fürth in Fürth mit den türkischen Kuratorinnen Dilşad  Aladağ und Eda Aslan auslegt: Mit dem Ausstellungs- und Kunstprojekt Garten des (nicht)Vergessens ehren sie den jüdischen Botaniker Alfred Heilbronn, der aus Fürth stammte und den botanischen Garten der Universität Istanbul gründete.

1885 als Jude in Fürth geboren, studierte Alfred Heilbronn – der später zum Christentum konvertierte – in München Naturwissenschaften und promovierte. 1914 berief ihn die Universität Münster zum Professor für Botanik. 1933 wurde er zunächst beurlaubt, bevor er im Zuge der Entrechtung durch die Nationalsozialisten die Lehrerlaubnis verlor. Seine Rettung war der Ruf an die Universität in Istanbul. Dort lehrte er ab 1935, gründete das Institut für Botanik und legte einen Botanischen Garten an. Nach seiner Emeritierung kehrte Heilbronn 1955 nach Deutschland zurück, er starb 1961 in Münster.

Das Institutsgebäude in Istanbul wurde 2015 an die Religionsverwaltung der Türkei übergeben, 2018 begann sein Abriss.

Der Botanische Garten ist seither für Besucher geschlossen. Gegen die drohende Zerstörung des Gartens kämpfen die türkische Architektin Dilsad Aladag und die Künstlerin Eda Aslan mit einem Erinnerungsprojekt. Ins Zentrum ihres Garten des (nicht)Vergessens stellen sie Frage: Ist es möglich einen Ort und eine Heimat „umzupflanzen“ und ihn so in Erinnerung lebendig zu halten?“

Die Fürther Schau setzt sowohl den Heimatverlust, den Alfred Heilbronn erlebte, und den aktuellen Verlust seines Schaffens in der Türkei künstlerisch mit Klang-, Video- und Kunstinstallationen um und bezieht dazu Archivalien des Instituts und den Nachlass der Familie ein. Der Museumsgarten des Jüdischen Museums Franken und das Fürther Stadtgebiet werden als erweiterter kuratorischer Raum genutzt: Dort sprießt verpflanzter Samen aus dem Istanbuler Garten, Interventionen erinnern an die Familiengeschichte der Heilbronns. Die Ausstellung – in deutscher und türkischer Sprache – erinnert zudem an ein Stück vergessener Geschichte, als deutsch-jüdische Akademiker und Intellektuelle im Nationalsozialismus Zuflucht in der Türkei suchten und so überlebten. Vorträge, Filme und Podiumsdiskussionen mit deutschen und türkischen Wissenschaftlern und Führungen beleuchten die jüdische Geschichte in der Türkei und ihre Rolle als Exilland.

OrtJMF in Fürth | UG Neubau | Königstraße 89
Dauer15.7.22 – 26.2.23
Kosten6€ regulär | 3€ erm.