Die Frage des Monats

Zimzum – Gott und Weltursprung

Portrait von Prof. Dr. Christian Schulte, der im März 2019 einen Vortrag im Jüdischen Museum in Fürth hält.Vortrag von Professor Dr. Christoph Schulte
So, 10.3.2019, 15 Uhr | JMF Fürth (Ernst Kromwell Saal)
Eintritt: 8 € / 5 € erm. / 1 € Fürth Pass
Kartenreservierung möglich unter 0911-950988-88

Zimzum steht in der Kabbala für die Selbstzusammenziehung Gottes vor der Erschaffung der Welt und zum Zweck der Weltschöpfung. Geprägt wurde dieser Begriff im 16. Jahrhundert durch die Lehren des jüdischen Mystikers Isaak Luria. Der vor der Schöpfung allgegenwärtige Gott muss sich im Zimzum von sich selbst in sich selbst zurückziehen und konzentrieren, um für die Erschaffung der Welt in seiner eigenen Mitte Platz zu machen. Von den Kabbalisten in Safed bis zum Chassidismus, von den christlichen Hebraisten zu Newton und Schelling, von mystischen Handschriften bis zur Avantgarde von Else Lasker-Schüler oder Anselm Kiefer mischen und befruchten sich in den Deutungen und Aneignungen des Zimzum Göttliches und Menschliches, Jüdisches und Christliches, Mystik, Philosophie, Theologie, Literatur und Kunst. Im 20. Jahrhundert wird in der Idee der Selbstbegrenzung eine radikale Gottverlassenheit der modernen Welt erkannt, aber auch ein unverzichtbares Moment Kreativität, innerer Freiheit und friedlicher Koexistenz.

Professor Dr. Christoph Schulte (* 1958) ist assoziiertes Mitglied/Kollegium für Jüdische Studien am Selma Stern Zentrum für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg in Potsdam. Er hatte Fellow und Gastprofessuren in u.a. Jerusalem, Montreal, Paris und Basel. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören Jüdische Religions- und Kulturgeschichte, Kabbala und Wissenschaft des Judentums.

In Kooperation mit der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit.