Die Frage des Monats

Das Schwabacher Memorbuch

Synagoge in Schwabach, Innenaufnahme, um 1920. ©Stadtarchiv Schwabach.Vortrag von Aubrey Pomerance
So, 2.6.19, 15 Uhr | Alte Synagoge Schwabach (Synagogengasse 5)
Eintritt: 8 € / 5 € erm. / 1 € Schwabach Pass

Die Memorbücher der jüdischen Gemeinden Deutschlands gelten als älteste und am längsten tradierte liturgisch-literarische Form des Totengedenkens. Zuerst Ende des 13. Jahrhunderts als literarische Gattung greifbar geworden und ab dem letzten Viertel des 16. Jahrhunderts zunehmend in Erscheinung getreten. Auch die jüdische Gemeinde in Schwabach führte ein eigenes Memorbuch mit einem Schwerpunkt auf die umfangreichen Spenden der Verstorbenen, das sich wie das „who’s who“ der jüdischen Gemeinde liest. In den Seelengedächtnissen werden die Tugenden und Verdienste der Verstorbenen gepriesen, ihre Stelle innerhalb der Gemeinde dargelegt und gegebenenfalls ihre hinterlassenen Spenden aufgelistet. Eindrucksvoll spiegelt das Memorbuch die gelebte Wohltägigkeit jüdischer Mitglieder der Schwabacher Gemeinde wider – ein bis heute weitgehend unbekanntes Kapitel Schwabacher Geschichte.

Aubrey Pomerance leitet seit 2001 das Archiv des Jüdischen Museums Berlin und die dortige Dependance des Archivs des Leo Baeck Instituts New York und der Dependance der Wiener Library. Er veröffentlicht zur deutsch-jüdischen Gedenkkultur, zu jüdischen Lebenswegen in der NS-Zeit, zu jüdischen Fotografen in Berlin sowie zum Archivwesen und zur Archivpädagogik.