Wer sich in »anderen Umständen« befindet, durchlebt eine der alltäglichsten
und gleichzeitig aufregendsten Lebensphasen: die Zeit der Schwangerschaft
und Geburt. Auf die »Herstellung« und »Überwindung« dieses besonderen
»Schwellenzustandes« versuchen Menschen seit jeher Einfluss zu nehmen, sei
es mit Hilfe von magischen, religiösen oder medizinischen Mitteln.
Auch Ort und Umstand der Geburt spielen eine wichtige Rolle. So ist Anfang
des 20. Jahrhunderts für Frauen in wirtschaftlicher und sozialer Not die
Entscheidung zwischen Hausgeburt und Klinik oftmals eine Entscheidung
zwischen Leben und Tod. Zu dieser Zeit stiftet der Rechtsanwalt Alfred
Nathan seiner Heimatstadt Fürth die Geburtsklinik »Nathanstift« und
verbessert so die Situation von Schwangeren und Säuglingen.
Am Beispiel des vor hundert Jahren gegründeten Nathanstifts nähert sich die
Sonderausstellung den Themen Schwangerschaft und Geburt im Spiegel jüdischer
und christlicher Traditionen und kontrastiert sie mit den Neuerungen des
medizinischen Zeitalters. In einem zweiten Teil erinnert die Ausstellung an
die jüdische Stifterfamilie Nathan: »Andere«, durch den Nationalsozialismus
eingeleitete »Umstände«, zwingen die letzten Familienmitglieder 1938 in die
Emigration. |