22. November 2000 bis 18. Februar 2001

Müssen jüdische Deutsche zur Bundeswehr? Wie finden Juden in Deutschland einen jüdischen Partner? Wie organisieren sich schwule Juden? Wie orthodox kann man in Deutschland leben? Welche Ausnahmeregelungen enthält die Asylgesetzgebung für einreisewillige Juden?

Diese und viele andere Fragen stellt die Ausstellung "Zeichen des Alltags". In einer Inszenierung aus hinterleuchteten Piktogrammen und pointierten Informationen thematisiert sie kulturelle, emotionale, soziale, religiöse und rechtliche Aspekte jüdischen Lebens in der Bundesrepublik heute. Durch das Wachstum der jüdischen Gemeinden in den zurückliegenden zehn Jahren und die ansteigende Zahl antisemitischer Straftaten hat das Thema Juden in Deutschland eine besondere Aktualität erlangt.

Kuratoren: x:hibit Berlin



27. September bis 19. November 2000

Die Tora, die auf eine Pergamentrolle geschriebenen Fünf Bücher Mose, enthält alle Lehren, die für einen gläubigen Juden verbindlich sind und seine Lebensführung bestimmen. In Zeiten der Verfolgung waren Tora-Rollen als Träger der zentralen Glaubensinhalte Ziel von Raub, Schändung und Zerstörung. Die Andockung spürt dem Schicksal von Tora-Rollen während der Schoa nach. Im Mittelpunkt der Präsentation steht eine Tora-Rolle aus Forth (Lkr. Erlangen-Höchstadt), die mit der Sammlung Gundelfinger in den Bestand des Museums gelangte. Nach Ende dieser Andockung wird sie als Bestandteil der Dauerausstellung im Jüdischen Museum verbleiben.

Kurator: Bernhard Purin

 


7. Juni bis 19. November 2000
 

Zwischen Mohren- und Königstraße befand sich mehr als 400 Jahre lang das religiöse Zentrum der Fürther Juden, der Schulhof, mit insgesamt vier Synagogen und Talmud-Lehrhäusern. Während des Novemberpogroms zerstörten die Nationalsozialisten neben dem Schulhof auch alle anderen Betsäle, die über die Stadt verteilt lagen. Einzig die Waisenschul, die seit 1945 wieder als Gemeindesynagoge genutzt wird, überstand das Zerstörungswerk.

Die in Zusammenarbeit mit dem Altstadtverein Fürth realisierte Ausstellung verweist aber auch auf die Synagoge der 1864 aufgelösten Kultusgemeinde Unterfarrnbach, weitere im 19. Jahrhundert auf Anordnung der Behörden geschlossene Privatsynagogen sowie die "Jewish Chapel" der US Army in der Fürther Darby-Kaserne.

Kuratorin: Monika Berthold-Hilpert


10. Mai 2000 bis 31. März 2001

Um 1900 bestanden in Franken über 250 Synagogen und Betstuben. Die meisten von ihnen befanden sich in kleinen Landjudendörfern und waren äußerlich kaum von anderen, profanen Häusern zu unterscheiden. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden in Städten und größeren Dörfern auch nach außen hin deutlich als Sakralbauten erkennbare Synagogen.

Die Ausstellung im Hauptraum der Schnaittacher Synagoge spürt am Beispiel eines für die Zeit um 1900 modernen Bildmediums, der Postkarte, den fränkischen Synagogen nach. Manchmal versteckt hinter einer Häuserreihe, am Rande des Ortes gelegen, aber auch zentral hervorgehoben und als lokale Sehenswürdigkeit präsentiert, wird so ein Stück verborgener fränkischer Architektur transparent.

Kurator: Bernhard Purin




29. März bis 30. Juli 2000

 

Der am 28. März 1919 in Fürth geborene Otto Treumann ist, vielfach ausgezeichnet, einer der wichtigsten Graphikdesigner der Niederlande. Eine seiner bekanntesten Arbeiten ist das 1963 entworfene Logo der israelischen Flugesellschaft EL AL. Otto Treumann emigrierte 1935 in die Niederlande und studierte dort an der Nieuwe Kunstschool vor allem bei Hajo Rose und anderen ehemaligen Bauhausleuten. Von 1942 bis 1945 lebte er im Untergrund und leistete aktiv Widerstand.

Als Entwerfer, Funktionär in Berufsverbänden und Lehrer zählt Otto Treumann zu den Protagonisten des internationalen Graphikdesigns nach 1945.

Kuratorin: Sibylle Kußmaul




29. März bis 30. Juli 2000
 

Diese Andockung stellt die Mutter Otto Treumanns vor: Babette Treumann wurde 1877 in Fürth geboren. Sie begann mit der Fotografie, als ein Sohn früh starb und sie dessen Fotoausrüstung nicht weggeben wollte. Immer intensiver betrieb sie das Hobby und arbeitete für das Wochenblatt "Die Nürnberger Hausfrau", für die Beilage "aus alter und neuer Zeit" des "Hamburger Familienblatts" und für die Jüdische Gemeinde Fürth. Babette Treumann floh 1939 mit ihrem Mann Max und ihrer Mutter Clara Besels nach Amsterdam. Nach der Besetzung der Niederlande wurden sie interniert, nach Sobibor deportiert und 1943 ermordet.

Kuratorin: Sibylle Kußmaul




Rabbiner Kaufmann Kohler (1843-1926)
23. Februar bis 4. Juni 2000
 

Der aus einer orthodoxen Fürther Familie stammende Kaufmann Kohler wandte sich nach einer traditionellen rabbinischen Ausbildung zunehmend reformerischen Strömungen im Judentum zu.

Seine Dissertation (Erlangen 1867) mit bibelkritisch-radikalen Thesen rief einen Sturm der Entrüstung hervor und machte eine Anstellung als Rabbiner in Deutschland unmöglich. In den USA entwickelte er sich zu einem der führenden Vertreter des Reformjudentums und beeinflußte als Präsident des »Hebrew Union College« in Cincinnati bis in die zwanziger Jahre dieses Jahrhunderts maßgeblich die Ausbildung amerikanischer Reformrabbiner.

Kuratorin: Monika Berthold-Hilpert




26. Januar bis 26. März 2000

 

Der Jüdische Kulturbund Bayern hatte eine seiner größten Ortsgruppen in Nürnberg-Fürth. Seit Sommer 1933 bot sich hier für jüdische Künstler die einzige Wirkungsmöglichkeit. Der von den Nationalsozialisten als Mittel der Ausgrenzung geförderte Kulturbund stellte in den Städten ein vielseitiges Programm zusammen mit Ausstellungen, Konzerten, Theater und Kino.

Durch Kooperation mit anderen Ortsgruppen, besonders München, wurde das Angebot erweitert. Die Vorstellungen durften nur Juden besuchen. Nach zunehmenden Beschränkungen wurde der Jüdische Kulturbund in Bayern bereits 1938 verboten. Das reichsweite Verbot erging im September 1941.

Kuratorin: Sibylle Kußmaul




17. November 1999 bis 22. Januar 2000
 

Die französische Künstlerin Sophie Calle schuf zur Eröffnung des Musée d'art et d'histoire de Judaïsme in Paris eine Installation zum Thema des »Eruv«, jenes Bereichs in einer Stadt, in dem während des Schabbat Gegenstände getragen werden dürfen. Sophie Calle, renommierte Vertreterin der »art narratif«, schuf damit ein Kunstwerk im Spannungsfeld zwischen religiöser Tradition und säkularem Alltag, zwischen öffentlichen und privaten Räumen. Nach Stationen in Paris und New York ist die Ausstellung erstmals in Deutschland zu sehen.

Kurator: Bernhard Purin



Schnupftabak im Judentum
20. Oktober 1999 bis 6. Februar 2000

 

Die erste »Andockung« im Jüdischen Museum Franken in Fürth präsentierte eine kleine Kulturgeschichte des Schnupftabaks im Judentum. Wegen des Ruhegebots am Schabbat, das auch das Entzünden von Feuer und damit den Genuß von Rauchtabak verbietet, wichen Juden im 18. und 19. Jahrhundert auf Schnupftabak aus.

Zahlreich erhaltene Schnupftabakdosen mit eingravierten Hinweisen auf die Verwendung am Schabbat, aber auch Grafiken und Kleinplastiken stehen im Mittelpunkt dieser Präsentation.

Kurator: Bernhard Purin